Der Dealer im Martinsviertel

Es gibt sie, die kleine aber feine Kunst-Galerie der etwas anderen Art – natürlich in der besten Hood Darmstadts, dem Martinsviertel.

Die Kunst ist der natürliche Feind der Normalität.
Peter Rudl – Aphoristiker.

Frei nach diesem Motto machte sich Steffen Pejas, eigentlich freier Texter mit vielen spannenden Referenzen laut LinkedIn: Punktgenaue Headlines, fesselnde Copys oder – was uns besonders gefällt – Gagwriting, und wagte den Schritt ins Ungewisse„Das Arbeiten zu Hause reichte mir nicht mehr.“

Im Schlafanzug am Schreibtisch

Die Freelancer unter euch kennen das, aber auch die ehemaligen Studenten von harten und langen Lernphasen. Vom Frühstückstisch im Schlafanzug direkt an den Schreibtisch klingt erstmal schön und vor allem gemütlich. Das ist es aber nicht. Denn wenn das Highlight eines Tages der Besuch im Supermarkt um die Ecke ist, fühlt man sich irgendwann ziemlich einsam und vor allem gammelig.

Nach langem Sitzen am hauseigenen Schreibtisch wuchs bei Steffen der Wunsch nach Abwechslung. Und so reifte eine Idee in ihm – ein langer schlummernder Wunsch: Kunst verkaufen mit seinem Beruf als Texter verbinden.
Der Wunsch entstand bei Steffen eher durch Zufall. Sein Opa war Künstler, daher bestand wohl schon immer eine Affinität zu Kunst. So erkannte er früh, was Kunst alles sein und kosten kann.

Mit Mitte 20 kaufte er sein erstes Objekt online

„Mehr so nach Bauchgefühl“ und nach dem was ihm selbst gefiel. Die erste Arbeit war ein kleines Ölbild des ungarischen Künstlers Béla Kádár. Mit diesem Gemälde verdiente er zum ersten Mal richtig Geld.
Eher unverhofft zeigte sich sein gutes Händchen für nischige aber hochwertige Kunst. Und plötzlich war die Idee geboren: Ein Atelier für Kunst mit integriertem Arbeitsraum. Also, raus aus den eigenen vier Wänden und Räume zum Arbeiten suchen. Raus in die Straßen vom Kiez, von der beliebten und gefeierten Hood des Martinsviertel. Er fand einen Raum aber eben nicht nur zum Texten, sondern einen der alles sein kann: Galerie, Treffpunkt, Bühne und eben doch für täglich ein Büro.

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„Räume, in denen ich arbeiten kann, habe ich eh gesucht. Jetzt habe ich halt einfach meinen Schreibtisch in der Galerie stehen.“

 

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Das Konzept des Raums ging für Steffen schnell auf. Mitten im Martinsviertel zu sein, nicht zu abgelenkt arbeiten zu können, den etwas prätentiösen Begriff der Galerie zu überholen und der hippen Nachbarschaft anzupassen. Das inch&cm liegt wunderbar zwischen Schmitthut, dem Petri und dem Riegerplatz. Einfach toll und inspirierend.

Das Dealen war entdeckt

Mit dem Open Space war ein Grundstein gelegt. Alte Objekte wurden sortiert und poliert. Ebenso das Wissen über Kunst. Steffen las sich mehr ein, besuchte vermehrt Ausstellungen und erweiterte seine Sammlung. Den Begriff „Galerie“ mag Steffen eigentlich gar nicht so sehr. „Eine Galerie hat für mich etwas Unnahbares.“ Er nennt seinen Raum liebevoll Open Space mit dem Untertitel Laden für zeitgenössische und urbane Kunst.

Kunst mit einem Augenzwinkern

Es gibt nicht nur Kunst im Sinne von „da hängen Bilder“, sogar die Möbelstücke bei Steffen sind Kunst. Hier findet man Malerei, Fotografie oder Drucke. Fesselnd für Besucher ist ein gewisser subtiler Humor, der sich in den von Steffen ausgesuchten Stücken wiederfindet. So ist verweilen einfach, da man hier etwas zum schmunzeln und da etwas zum nachdenken findet.

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Von Tauba Auerbach über Jeff Koons bis hin zu Thomas Zipp, die gekonnte Auswahl an zeitgenössischer Kunst ist lang. Kreative Ideen für Veranstaltungen sind auch genügend vorhanden: Im November ist ein Vortrag über Van Gogh geplant in Kombination mit einem Absinth-Tasting, ebenso weitere Lesungen und Afterwork-Treffen mit Gesprächen und Getränken.

Wenn die Kunst der natürliche Feind der Normalität ist, hat es Steffen im inch&cm erfolgreich geschafft diese zu besiegen. Ein schön unkonventioneller Ansatz das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.

„Ich bin nicht der klassische Galerist, träume aber davon mich irgendwann nur noch mit dem Verticken von Kunst zu beschäftigen.“

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Fotos: Jakob Nonnen

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