Alfreds Anzug

Alfred hat seine ganz eigene Sicht auf die Welt der Männermode, vor allem die der alternden Männer. Und es stellt sich heraus, dass diese kompliziert ist.

Für uns war von Anfang an klar, dass wir nichts mit Mode auf unserem Blog machen. Also nicht selbst – gerne erzählen wir von Designern, die ein eigenes Label gegründet haben, aber wir wollen hier keine Modeempfehlungen abgeben. Tja und jetzt doch so was. Wie kam es denn dazu? Wie so oft im Leben: Wir saßen in einer illustren Runde beisammen mit Wein in einer lauen Sommernacht und plötzlich waren wir beim Thema Mode – Männer-Mode! Das Wort an dem Abend führte ganz klar Alfred an: Arzt und wohnhaft in München und wie sich schnell herausstellte ein Mann mit ganz genauen Vorstellungen. Wir konnten einfach nicht anders, als dieses Gespräch nachträglich in ein Interview packen – einfach nur so aus Spaß an der Freude. Alles begann mit einer Aussage Alfreds:

„Ich fand Mode und Bekleidung immer eher anstrengend.“

Warum jetzt genau anstrengend?
Ganz einfach, wegen meiner Arm- und Beinlänge waren mir Standardgrößen stets verschlossen. Schlaghosen (Anmerkung der Redaktion: Sein Geburtsjahrgang ist damit eingrenzbar) waren meist zu kurz, vor allem, wenn meine Mutter wusch. Deshalb lernte ich schon frühzeitig meine Sachen selbst zu waschen. Bis heute sind zu kurze Ärmel mein Markenzeichen.

Was ist für dich der größte Modefauxpas?
Hier nehme ich zu dem Manne um die 60 Stellung und das ist keineswegs leichter als beim Mann um die 30, auch wenn die meisten 60er das nicht zu wissen scheinen: Mein liebstes Thema über die Jahre war die Frage: Under- oder Overdressed? Falle ich zu sehr auf? Also was geht? Was nicht?

Und? Was geht so?
Eigentlich geht fast nix! Viele meiner Altersgenossen kaufen sich seit 40 Jahren die gleiche 501, die, wenn auch von Levis immer wieder dem Trend angepasst, am reifen (!?) Mann wie ein Sack aussieht, dazu eine Lederjacke, je nach Sozialisation Wildleder mit Speckkragen (ekelhaft) oder Bikerjacke (ekelhafter!). Karierte Hemden über Bauch oder T-Shirts mit Fake-Aufdruck vom Ramones Konzert 1977, New York! Die dazu gehörenden Frauen tragen Skinny-Jeans mit Silberapplikationen!!!. Und beide Cowboystiefel. Gruselig.

Aha, was gibt es sonst noch so für modische Fehlgriffe?
Dann gibt es die Eso-Müsli-Alternativ-Grünen: Eco- Schuhe (BAMA) mit runder Spitze, dazu eine verbeulte Cordhose oder Dockers und ein abgetragenes schwarzes Jackett plus Fair-Wickelschal zur schwarzen Hornbrille.

(Anmerkung der Redaktion: Alfred war außer Rand und Band. Zwischenfragen kamen nicht mehr an, oder konnten vor Lachen von uns nicht mehr gestellt werden.)

Als nächstes die Forever-Young-Jungs: Bunte Hosen, Turnschuhe, hautenge Daunenjacken in Knallfarbe und immer, immer, immer Dreitagebart! Vorbild: Justin Bieber!!! Halloooo? Können wir da mal alle rauskommen?

Aber Justin Biber hat doch gar keinen Bart…?!
Ich weiß! Das ist doch aber auch völlig egal!

Okay, ist egal. In unserer Vorstellung tragen solche Herren zu allem Übel auch noch Ed Hardy Shirts… Was regt dich sonst noch auf?
Der klägliche Rest trägt schon die beige Gore-Tex-Windjacke (für unfassbare 800 Euro!) mit beigefarbenen Gesundheits-Sneakern. Weil, heute kann man ja nicht einfach mehr Turnschuhe tragen, es müssen schon Sneaker sein …. Das Schlimmste: 70 Prozent der Männer werden von der Frau eingekleidet, was die halt so mitbringt.

Also: was geht mit 60 Jahren?
Anzüge! Muss man sich dran gewöhnen, aber eigentlich am verwelkenden Männerkörper ein guter Kompromiss. Oberhemden! Immer, immer, immer Hemden! Langärmlig! Wenn es zu warm ist: Ärmel aufkrempeln. NIEMALS kurzärmlige Hemden. Keine Polos, keine T- Shirts, die sind selbst in der Freizeit schwierig. Für beides gilt: Ein fünf Jahre altes Oberhemd oder ein Anzug sind, wenn nicht schon verschlissen, aus der  Mode! VORSICHT! Ich habe beides in diversen Jahrgängen, es ist wirklich so. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber man lässt ja meist nicht in der Savile Row schneidern.

Gibt es weiteres zu beachten bei Anzügen, Hemden oder gar Verfallsdaten?
Ganz gefährlich: Jeans und Jackett! Habe ich auch ständig Probleme mit. Wenn Pullover, dann schwarz oder auf jeden Fall unifarben! Auf gar keinen Fall Carlo Colucci!

Warum nicht?
Wir sind doch nicht auf den Jahrmarkt! Überhaupt gehören gedeckte Farben an den alternden Leib …

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Was ist mit dem, was der Herr unten drunter trägt?
UNTERWÄSCHE: OOOOH MEIN GOTT! Weißes Doppelripp sieht bei jungen Männern extrem schick aus, bei Beckham wird’s schon schwierig aber mit 60? NEIN! Meine Empfehlung bei Pendelhoden: zur Vermeidung eben dieser von Boxershorts auf Boxer umsteigen.Socken: …

Äh Socken? Du springst von Pendelhoden zu Socken??? Was kann man(n) denn bitte bei Socken falsch machen?
Sie sollten schwarz sein und vor allem lang genug! Das altersbedingt unbehaarte Männerbein ist unansehnlich. Da wären wir auch direkt beim Thema kurze Hose … Kann unangenehm sein … und weiter! Schuhe: Halbschuhe mit genähten Sohlen oder Zugstiefel oder Chucks (hier ist übrigens Farbe erlaubt). Keine bequemen Deichmanns mit gegossener Sohle! Trecking Sandalen: NEIN!

Oha! Alfred, wir danken für diese amüsanten Ausführungen und befürchten: Bei uns Frauen wird es noch komplizierter …?! Trotzdem noch was Ulkiges zum Schluss – natürlich für den Mann, denn mit unserer Kleidung spaßen wir nicht! 

Beitragsbild: Stockholms mode-journal-Tidskrift för den eleganta werlden 1847, illustration nr 2
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