Wie smart ist smart?

Smartphones haben wir mittlerweile alle. Smart-TV schauen viele, aber was ist eigentlich mit der Stadt, in der wir leben? Vergangene Woche ging es genau darum – „Leben im Neuland – die digitale Stadt“ war das Thema des zweiten Webmontag. Und alle 400 Gäste gingen der Frage nach, was Darmstadt zur Smart-City macht.

Vor ungefähr fünf Jahren benutzte ich das Wort „smart“ um Menschen zu beschreiben, die sich durch Klugheit, Witz und Charme auszeichnen. Mittlerweile werden ganze Städte und Ideen mit diesem Etikett versehen.

Täglich erlebe ich die neuen Möglichkeiten, die das Internet für uns bereithält. Ich selbst bin das beste Beispiel für eine sich selbst erfundene „Onlinepersönlichkeit“ und obwohl ich mich im Wor(l)dwideweb sehr sicher bewege, habe ich noch lange nicht alles ausgeschöpft, verstanden – ganz zu schweigen von den vielen Dingen, die ich gar nicht kenne.

Snapchat, Slack oder Zalando, all das riecht nach Freiheit und Selbstbestimmung.
Ich entscheide, mit wem ich was teile, ich entscheide, mit wem ich wie kommuniziere und ich entscheide, was ich, wann, wo und wie an Klamotten bestelle.

Dieses Internet kann so smart sein

Ist das wirklich reine Freiheit? Oder eben doch nur das Nachgeben des Drucks einer Konsumgesellschaft, die uns suggerieren muss, wir seien frei um mehr Produkte zu verkaufen? Produkte wie Schuhe, aber auch Interessen und Gesinnungen. Der Umgang mit Daten wird selbstverständlicher, wir wundern uns nur noch selten, dass auf unserer Facebookseite weiße Sneaker beworben werden und wir zeitgleich diese an den Füßen tragen. Manchmal wundere ich mich „Hä, das sind ja Männerschuhe!“, entschuldige aber im nächsten Moment den Werbealgorithmus, da sicher mein Mann am Laptop saß.

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Die Vorteile sind klar, die Nachteile aber ebenso

Die Datensicherung in den kleinsten und feinsten Bereichen, wie eine Liste von Weinsorten, Zigaretten oder Junkfood, die personalisiert an die Krankenkasse oder den Hausarzt versandt werden soll, würde jeder von uns mit Protest ablehnen – die weißen Sneaker im Sale begrüßen jedoch ziemlich viele Menschen.
Ist das nicht eine völlig unnötige Doppelmoral und wird da nicht mit zweierlei Maß gemessen? JA. Und NEIN. Denn wer kann, entscheidet vorher, jeder kann der App versagen den eigenen Standort zu speichern, oder die Aufnahme in den Shell-, Payback- oder Rewe-Club ablehnen. Wer profitieren möchte, kann dies tun, muss aber mit den Konsequenzen leben. Doch wo führt uns das hin? Wie wirkt sich das auf unsere Arbeitswelt, unser Privatleben und unsere Heimatstadt aus?

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Seid smart und digital

Mit diesen und vielen anderen Themen um unsere Digitalisierung befasst sich der Webmontag. Hier treffen sich die, die zukünftig das Internet gestalten wollen. Die Veranstaltungen sind rein informativ, nicht kommerziell und dezentral organisiert. Wer dabei sein mag, kann kommen, wer Ideen hat, bringt sie ein.

Die Idee zum Webmontag entstand in Kalifornien (USA) und wurde das erste Mal 2005 nach Deutschland geholt. Der erste Webmontag fand damals in Köln statt.
Seitdem haben viele große und mittelgroße Städte mitgezogen, ebenso Darmstadt.
Der zweite Webmontag Darmstadt, bisher immer in der Centralstation abgehalten, beschäftigte sich mit dem Thema „Leben im Neuland – die digitale Stadt“.
Hierzu waren verschiedene Speaker geladen: Städteplaner, Kulturwissenschaftler, Stiftungsmitglieder, Ingenieure und Gründer mit Vision.

 

Von der digitalen Zukunft eines Kunstmuseums, bis hin zum Phänomen Disneyland, über Lieferdienste regionaler Anbieter, wurde den Besuchern vergangene Woche viel geboten.

Viel Inhalt im Neuland

Die Haltung zum Umgang der digitalen Möglichkeiten und einer smarten Zukunft war eindeutig. Gut geschützt und informiert sollen wir sein. Begriffe wie Transparenz und Prävention fielen in fast jedem Beitrag. Der eine etwas euphorischer, die andere etwas kritischer dem Ansatz der Open Data gegenüber, bekamen wir Zuschauer einen guten Abriss davon, wie wir uns vielleicht zukünftig „versmarten“ lassen. Oder eben nicht.
Außerdem ließen sich die Veranstalter (Digitale Darmstadt e. V.) ein paar smarte Ideen einfallen: Es fand das größte Brainstorming Darmstadts per App statt. Was Darmstadt zur Smart-City mache und welche Gebiete uns Zuschauer bei dieser „Utopie“ am meisten interessiere, wurde abgefragt und das Ergebnis am Ende der Veranstaltung vorgestellt. Die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins Digitale Darmstadt e. V. haben angekündigt aus den Ergebnissen des Brainstormings noch weiterführende Ideen auszutüfteln – ich bin gespannt.

Wer Fragen während der Veranstaltung hatte, konnte diese per App stellen und die Moderatoren lasen sie vom Smarttablet auf der Bühne ab und stellten sie direkt den Speakern .

Kurzzeitig kam bei uns Zuschauern die Frage auf, warum man sich nicht einfach melden und die Frage stellen könne, doch das wäre ja dann analog und wohl nicht digital genug. 😉
Nach zwei kurzweiligen Stunden und vielen neuen Ideen, fühlte ich mich gleich viel smarter als zuvor. Danke an das Webmontag-Team, ich komme wieder!

Der dritte Webmontag Darmstadt findet im November statt – wir werden berichten.

Fotos: Stefan Holtzem

 

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